00:16
Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer, ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Zeitverbrechen.
00:25
Und es gibt so Gelegenheiten, bei denen wir einmal über unseren Titel nachdenken müssen. Ich habe das gerade getan angesichts des Falles, über den wir heute sprechen wollen, Sabine. Was ist das eigentlich, ein Verbrechen? Gibt es dafür eine klare juristische Definition?
00:39
Also das, worüber wir heute reden, ist ein Verbrechen. Ja klar, das ist eine ganz einfache juristische Definition. Alles, was mit über einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht ist, ist ein Verbrechen.
00:53
Ach so einfach ist das?
00:54
Ja, so einfach. Da kannst du auch gerne sagen, das ist ein Verbrecher, der das begangen hat und darunter ist dann alles dieser Kleinkram. Der Kleinkram ist so die rote Ampel oder sowas? Das sind die Vergehen, die werden dann mit kleineren und weniger schmerzhaften Strafen belegt, obwohl es auch ganz ekelhafte Strafen gibt bei Vergehen. Also wenn es dann in Unternehmensrecht geht und wenn es bei Steuern und so weiter. Da kann es teuer werden. Ja, da kann es dann unangenehm und teuer werden, ja. Aber, auch wenn man kein Verbrecher ist, aber sonst ist der Verbrecher klar definiert und hier, Andreas, du hast ja diesmal unseren Gast eingeladen, ausnahmsweise.
01:33
Warum eigentlich?
01:34
Ja, ich habe Pia Schreiber eingeladen. Pia habe ich kennengelernt, als sie einen wunderbaren Text veröffentlicht. Für Zeit Campus geschrieben hat, dazu kommen wir gleich. Pia ist Rechtswissenschaftlerin, hat einen Master in internationaler Kriminologie, also besser kann man sich als Gast hier gar nicht qualifizieren, arbeitet jetzt für das Daten- und Investigativ-Team der Zeit und der Campus-Text damals hatte den Titel, die kann man nicht so stehen lassen. Und wir werden gleich herausfinden, wen oder was man nicht so stehen lassen kann.
02:05
Was ist denn Zeit Campus? Zeit Campus ist unser Studierendenmagazin.
02:10
Früher hieß das Studentenmagazin, oder?
02:13
Früher hieß das Studentenmagazin.
02:15
Jetzt heißt es Studierendenmagazin.
02:18
Genau, aber so oder so spielt das Ganze an einer Hochschule. Liebe Pia, ganz, ganz herzlich willkommen. Du hast diese wunderbare Geschichte recherchiert. Wie bist du denn auf diesen Fall gekommen?
02:31
Ja, hallo, danke, dass ich hier sein darf. Ich freue mich sehr. Ich habe die Geschichte geschrieben während einer Hospitanz, die ich gemacht habe bei Zeit Campus tatsächlich. Ich habe eine Ausbildung gemacht an der Journalistenschule und war für drei Monate bei Zeit Campus. Und dann gab es eine Meldung in den Lokalmedien bei den Lübecker Nachrichten und der NDR hat auch irgendwann berichtet, dass aus der Mensa an der Universität in Lübeck 60 Stühle verschwunden sind. Und ich glaube, man dachte, das ist vielleicht eine schöne Aufgabe für die Hospitantin in der ersten Woche.
03:00
Mal zu gucken.
03:01
Ein lustiges kleines Stück für unser junges Küken.
03:05
Ein paar Stühle, die da verschlingen. Ein paar Stühle. Da kann nicht Troses dahinter sein.
03:09
Genau, die Geschichte hinter dieser Meldung sozusagen.
03:11
Wie merkt man eigentlich, wenn Stühle fehlen? Also wie viele Stühle gibt es denn in so einer Mensa?
03:15
Das ging Schlag auf Schlag. Am Ende fehlten alle, aber es sind zwei Etappen passiert. Und bemerkt wurde es vom Leiter dieser Mensa, Andreas Mildner.
03:24
der eben zur Arbeit kam, am 17. Februar 2025 war das.
03:30
Also vor etwa einem Jahr.
03:31
Genau, vor etwa einem Jahr zum Zeitpunkt dieser Aufzeichnung. Und er kam morgens und es war ein sonniges Wochenende gewesen und hat gemerkt, irgendwie fehlen hier 20 Stühle in meiner Cafeteria. Wie viele Stühle sind denn da insgesamt? Insgesamt standen da 60 Stück. Ach so, also gar nicht so viel.
03:45
Das ist nicht der große Saal der Mensa, sondern das ist, wie ich bei dir nachgelesen habe, so ein Cafeteria-Raum. Also da wird der Kaffee gezapft und getrunken.
03:54
Genau, also es gibt auch Leute, die da mit ihren Tabletts hingehen zum Mittagessen, aber da passieren auch Gruppenarbeiten und so. Es ist im Grunde ein Aufenthaltsraum, der eben auch bis abends geöffnet hat für die Studierenden.
04:02
Und da merkt man auch, wenn ein Drittel der Stühle weg ist.
04:05
Und er ist dann auf die Suche gegangen auf dem Campus, weil er dachte, die Studierenden haben sich damit in die Sonne gesetzt am Wochenende und irgendwie ihren Kaffee draußen getrunken. Und ist dann ins Audimax gegangen und in die Bibliothek und hat geguckt und diese Stühle waren irgendwo zu finden. Dann dachte er sich, na gut, die werden schon wieder auftauchen, wer weiß. Und kam dann am Freitag derselben Woche zur Arbeit und seine Mitarbeiter waren schon ganz aufgeregt und meinten, Chef, du musst dir das angucken. Und dann kam er eben in die Cafeteria und da standen nur noch die Tische.
04:32
Oh!
04:32
Er hat gesagt, die haben wie Pilze aus dem Boden geragt, was ich für einen Koch eine sehr treffende Beschreibung fand. Und dann waren eben auch die restlichen 40 Stück verschwunden.
04:42
Diese Mensa der Uni Lübeck, die ist wahrscheinlich so mitten auf dem Campus. Wenn du sagst, er hat mal im Audimax geguckt oder hat sich umgeschaut, wohin könnten die dann verschwunden sein. Und es ist ja tatsächlich so, ich weiß nicht, ob du dich an deine Studierendenzeit erinnerst, liebe Sabine.
04:57
Nur noch mit Mühe.
04:58
Natürlich haben wir auch Stühle aus der Cafeteria rausgeschleppt in die Sonne und haben uns da hingesetzt.
05:04
Ich war nie in der Cafeteria.
05:05
Wir haben sie nicht wieder reingetragen.
05:06
Ich war nie in der Cafeteria. Ich war kaum in der Uni. Ich habe ein Fernstudium gemacht von zu Hause aus.
05:13
Ich gestehe ein Vergehen, ich habe die Stühle nicht wieder reingetragen.
05:18
Also es kann mal vorkommen. Darum kann ich mir auch vorstellen, die erste Aufregung war gar nicht so groß. Wer ist denn dieser Andreas Mildner? Du hast gesagt, der ist Leiter dieser Mensa. Aber der hat eine interessante Hintergrundgeschichte.
05:29
Ja. Also er ist Koch und er hat tatsächlich gelernt und gearbeitet in einem großen Hamburger Hotel, das europaweit sehr renommiert ist.
05:37
Wir dürfen das nennen, das ist das Vierjahreszeiten.
05:38
Es war das Vierjahreszeiten-Hotel. Und er hat also wirklich richtig Sterneküche gemacht und sich dann aber irgendwann… Von der Sterneküche in die Cafeteria. In die Mensa, ja. Und hat sich dann irgendwann entschieden, ich glaube vor allem wegen familienfreundlicherer Arbeitszeiten. Man hat mir auch gesagt, er findet es eine sinnstiftende Aufgabe, der Studierende für Essen zuzubereiten.
05:59
Ich habe auch kürzlich einen Wald- und Wiesenschirurgen kennengelernt.
06:06
der war früher Transplantationsmediziner an der Universitätsklinik. Und dem ging das da, dieses dauernde Bereitschaft und dieses ständige Stress und dieses immer überraschende, das ging ihm irgendwann so auf die Nerven, dass er mit seiner Familie aufs Land gezogen ist und jetzt bei einer kleinen Klinik da Wald- und Wiesenbauchoperationen macht. Ja, so verklemmte, eingeklemmte Därme oder... Und natürlich ganz berühmt der überall gern operierte Blinddarm.
06:39
Wie komme ich jetzt vom Blinddarm wieder zurück in die Küche? Danke für die Brücke, die du mir da gebaut hast.
06:45
Aber ich glaube, dass diese, also so eine Unimensa zu schmeißen, ist schon auch ganz schön stressig, glaube ich. Also die versorgen da am Tag bis zu 1800 Studierende.
06:53
Dafür ist die Küche auch eigentlich viel zu klein. Die sind aber, diese 1800 sind aber jetzt nicht in der Cafeteria alle, oder?
06:59
Naja, also es ist im Grunde ein Gebäude, das ist so ein... 35 Jahre altes Gebäude mit Glasfassade und Flachdach und im ersten Stock wird das Essen ausgegeben und dann verteilen sich die Studierenden eben im Gebäude. Unten gibt es eine Cafeteria und draußen gibt es auch einen kleinen Bereich mit so Picknicktischen und das ist alles sein Herrschaftsgebiet sozusagen.
07:20
Aber sag mal, so ein Stuhl, der in so einer Cafeteria rumsteht, das wird ein Plastikstuhl sein für 5 Euro. Wo ist jetzt das große Problem?
07:28
Aus Holz sind sie gewesen und das hat Herr Mildner auch so eingeschickt.
07:30
Aus Holz? Aus Holz. Ah, es waren Holzstühle.
07:32
Es waren Holzstühle und Herr Mildner hat eben auch gedacht, ja Gott, die waren schon vor ihm da. Also das gehörte zur Erstausstattung dieser Mensa und er hat bei der Polizei dann eben eine Anzeige aufgegeben, dass diese Stühle verschwunden sind und hat den Sachschaden auf 300 Euro geschätzt. Mhm.
07:46
Also 5 Euro pro Stuhl. Na gut, das wäre jetzt noch kein Verbrechen gewesen. Genau.
07:51
Und dann haben wir eben diese Meldung gesehen und da war ein Foto dabei von einem solchen Stuhl. Und in der Redaktion von Zeit Campus ist uns natürlich sofort aufgefallen, das sind ja nicht irgendwelche Stühle. Oh!
08:03
Sondern... Ich habe mal so ein Foto, ich halte das mal so in die Kamera.
08:08
Sieht sau unbequem aus.
08:09
Ich habe ein Foto mitgebracht von diesem Stuhl, der heute Ray22 heißt.
08:15
Ray 22.
08:17
Ursprünglich hieß er Typ 3300.
08:21
Klingt wie ein Staubsauger eigentlich.
08:24
Er zeigt ein bisschen, wo er herkommt, nämlich aus dem Objektbereich. Dieser Stuhl wurde tatsächlich inzwischen mehr als eine Million Mal gebaut und verkauft.
08:36
Und ich bin mir sehr sicher, dass viele von euch, von Ihnen bereits auf diesem Stuhl gesessen haben. Der steht rum in Cafeterien, in Mensen, in Krankenhäusern, in Arztpraxen. Also es ist ein sehr typisches Objektmöbel, ein sogenanntes Objektmöbel.
08:53
Aber es ist ein Designerstuhl, das ist das Besondere an ihm.
08:56
Ein Designer steckt da tatsächlich hinter, Bruno Reih.
09:01
Bruno Rey ist ein Schweizer Architekt gewesen, der ganz viel an Bauten entwickelt hat und den Möbelbau eigentlich, man könnte fast sagen, er so nebenbei betrieben hat. Aber das war ein wirklich großer Wurf von ihm. Darüber werden wir noch reden. Jetzt stellt sich also heraus, wir haben es mit einem Stuhl zu tun, der doch ein bisschen mehr wert ist als 5 Euro. Ja, wie viel ist er denn nun wert?
09:24
Naja, also neu handelt man ihn für so ab 500 Euro. Oh, 500 Euro pro Stuhl. Es kommt auch drauf an, auf Farbe und Polsterung. 60 mal 500? Ja.
09:34
Oh Gott.
09:36
Sie waren ja aber 35 Jahre alt. 30.000. 30.000? Ja.
09:40
30.000 Euro sind da verschwunden.
09:43
Und auf Ebay, also secondhand, kriegt man die so ab 200 Euro, 280 Euro.
09:48
Na immerhin.
09:49
Das war also ein sehr viel größerer Sachschaden als gedacht und ich habe dann angerufen bei dem Studierendenwerk in Lübeck, denn die Mensen werden nicht von den Universitäten betrieben, sondern vom Studierendenwerk.
10:00
Und habe mal gefragt, vorsichtig nach dem Sachschaden, hat die Frau so ein bisschen rumgedruckst, meinte, ja, erst wohl geschätzt 300 Euro, sie weiß nicht, was sie dazu jetzt genau sagen kann. Und dann habe ich gefragt und meinte, kann es sein, dass das ein Designerstuhl war? Und sie meinte, ja, so ist es gewesen. Und sie hatten keine Ahnung, also die Universität saß da auf einem Schatz.
10:20
Saß auf einem Schatz, den sie nicht erkannt hat, aber ein Dieb, ein Räuber hat es erkannt. Der hat es gesehen und hat gesagt, die nehme ich mit, die stehen hier nur rum und werden nicht geschätzt in dem Maße, wie es ihnen zusteht.
10:32
Du hast Andreas Miltner ja getroffen und gesprochen. Wie hast du ihn denn angetroffen? So in welcher Stimmung?
10:39
Ich würde sagen, er ist ohnehin ein norddeutscher Typ und deswegen sagt er so viel, wie er muss. Eher nüchtern, aber eigentlich doch ein fröhlicher Mensch, der sich aber doch ein bisschen veräppelt vorkam, glaube ich. Und auch die ganze Tatsache, also das war dieses wahnsinnig sanierungsbedürftige Gebäude, er kocht in dieser kleinen Küche, die eigentlich überhaupt nicht dafür gemacht ist, so viele Studierenden am Tag zu versorgen und dann stehen da diese wahnsinnig teuren Stühle, von denen niemand weiß, wenn das Geld für die Sanierung irgendwie fehlt.
11:06
Aber 60 Stühle, die schleppt man ja nicht mal eben unterm Arm weg.
11:10
Ja, das habe ich mir auch schon gedacht. Ich bin nämlich mit dem Auto auf diese Recherche gefahren aus Hamburg mit meinem kleinen Auto und bin eigentlich an diese Mensa gar nicht rangekommen, weil überall Schranken waren. Das ist so ein Gelände, das sieht eher aus wie so ein Industriegebiet eigentlich. Es gibt wahnsinnig viele Parkplätze, aber überall muss man irgendwie einen Ausweis haben, den man vorzeigen kann, um da durchzukommen und da parken zu dürfen. Und da habe ich mir auch schon gedacht, wie haben sie das denn gemacht, diese 60 Stühle oder in zwei Schritten, einmal 20, einmal 40 Stühle hier abzutransportieren.
11:35
Also so einen kleinen Laster braucht man schon, um den wegzutransportieren, oder?
11:38
Und dann stellte sich aber heraus, dass eben im Februar des vergangenen Jahres eine Baustelle war und die Schranke deshalb dauerhaft geöffnet. Das müssen die Täter eben auch gewusst haben. Diese Cafeteria ist im Erdgeschoss, man kann da direkt ranfahren an die Notausgangstür. Und ist es da auf? Kann man da Tag und Nacht reingehen? Das ist bis 20 Uhr geöffnet, jeden Tag, weil eben da auch Studierende abends noch sitzen und zusammen arbeiten. Und dann wird die Tür scharf geschlossen vom Hausmeister, der noch einmal durchgeht. Aber deswegen ist die Theorie, man muss auch sagen, es ist ja alles nicht wirklich ausermittelt worden, aber die Theorie ist, dass die Täter eben nach Einbruch der Dunkelheit gekommen sind im Februar.
12:16
Und da wird die Cafeteria auch nicht mehr betrieben. Da sind schon alle nach Hause gegangen, nur noch die Stühle stehen rum.
12:21
Ja, und die Studierenden sind eben noch da. Aber im Februar war eben auch vorlesungsfreie Zeit. Also es war nicht wahnsinnig viel los. Es war wahrscheinlich schon dunkel. Und da muss man eben auch sagen, ich weiß nicht, wenn ich an meiner Universität gesehen hätte, wie da jemand Stühle von A nach B trägt, hätte ich wahrscheinlich auch gedacht, das wird schon seine Richtigkeit haben.
12:38
Die machen irgendwo eine Theateraufführung oder sowas.
12:40
Genau, da ist irgendwo eine Veranstaltung. Ich hätte mich da, glaube ich, nicht dazwischen gestellt und eingemischt.
12:44
Ich meine, es gibt so ein paar Stühle in der Designgeschichte, die sind wirklich sehr, sehr oft hergestellt worden. Dieser hier gehört dazu. Es gibt einen anderen, den wir, glaube ich, beide sehr schätzen. Das ist einer von Karl Hansen. Fishbone. Wishbone. Weil das Rückenteil sieht aus wie dieser Wunschknochen vom Huhn. Deswegen ist er so genannt worden. Vielfach hergestellt.
13:08
Ja, der ist zum Beispiel wirklich... Sau gemütlich.
13:11
So, jetzt erzähle ich euch, was sich Bruno Reih bei diesem Stuhl gedacht hat.
13:15
Ja gut, du hast einen Artikel gefunden.
13:17
Ja, ich habe einen wunderbaren Artikel gefunden. Der heißt Bruno Reih, der Erfinder des Sitzens.
13:22
Ich glaube, das ist ein bisschen übertrieben. Aber Bruno Reih war überzeugt, die beste Sitzgelegenheit ist eigentlich ein Hocker. Weil der Mensch auf einem Hocker gezwungen ist, sich aus eigener Kraft aufrecht zu halten. Wenn ich schon das Wort gezwungen wäre.
13:36
Da lag er vielleicht schon falsch.
13:40
Also ist das Grundprinzip des Stuhls von Bruno Rai ein Hocker. Und das ist auch sehr leicht zu erkennen, denn er besteht im Prinzip aus einem kreisrunden Stück Holz. Das ist eine Schichtholzplatte, die wird Hochdruck verpresst, sodass sie eine Sitzkuhle hat. Und dann sind mit sogenannten Aluminiumkonsolen die Beine daran festgemacht. Und Bruno Rai hat dieses Prinzip des Hockers in den Stuhl überführt, indem er hinten einfach eine Lehne angebracht hat.
14:07
Er hat das genannt Hocker mit Gatter. Genau so sieht es aus. Wir sind unterschiedlicher Auffassung. Wahrscheinlich nicht über die Bequemlichkeit, aber die Philosophie dahinter finde ich total interessant, weil Rai sagte, auf diesem Stuhl hat man die größtmögliche Gelegenheit, sich da frei hinzusetzen. Also man kann sich nach rechts drehen, nach links drehen. Man kann sogar die Lehne zwischen die Beine nehmen. Ich habe auch schon solche Sitzhaltungen auf diesem Stuhl beobachtet. können. Und sich dann auf der Rückenlehne abstützen. Wenn man ein cooler Lehrer ist.
14:38
Sag mal, wann ist denn der erfunden worden? 1971. Ah ja, also da waren wir gerade so, kamen wir gerade ins Gymnasium.
14:46
Ja, so in die Schule.
14:48
Heute gibt es eine Kinderausgabe tatsächlich dieses Stuhls. Und das Interessante ist, an diesem Stuhl kann man auch ablesen, wie die Evolution der Menschheit verlaufen ist, denn Die aktuellen Modelle sind 1,7 Zentimeter höher als das ursprüngliche Modell. Weil die Menschen heute größer werden.
15:04
Ja, die Menschen werden immer länger, weil sie immer mehr essen.
15:06
Genau. Nein, nein, nein. Sie werden nicht länger, weil sie immer mehr essen. Doch, doch.
15:09
Sie werden immer länger, weil sie immer ausgewogener ernährt sind. Sie sind gut genährt. Gut genährt, ja.
15:16
Ja, ich habe auch mit der Herstellerin des Stuhls gesprochen.
15:18
Ja, hast du, ne?
15:19
In der Schweiz. Also am Telefon. Die Ticker heißt die Firma. Ja.
15:24
Die wird geführt von Nathalie Felber-Kaplan mittlerweile, die hat die von ihrem Papa übernommen und hat auch erzählt, dass dieser Stuhl so ein bisschen das Möbelstück seines Lebens war für Bruno Ray, weil er den eben immer weiter perfektioniert hat sozusagen. Und das Besondere ist eben, dass keine einzige Schraube da verbaut ist, sondern dass das alles geleimt wird.
15:41
Hast du dich denn mal draufgesetzt?
15:42
Nein, da wo ich war, war der Stuhl immer weg. Achso.
15:46
Ich habe noch nie auf so einem Stuhl gesessen. Aber ich habe mit Studierenden gesprochen in Lübeck, die gesagt haben, er ist nicht wahnsinnig bequem.
15:53
Er sieht pädagogisch aus. Deswegen ist er auch in einer Lehranstalt wohl am rechten Fleck.
15:59
Ich lese euch noch ein Zitat von Bruno Räufer und dann verlassen wir diesen Mann vielleicht wieder, der 2019 verstorben ist.
16:07
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16:14
Bevor wir unseren Kriminalfall gleich weiter erzählen, möchte ich euch auf ein Angebot aufmerksam machen. Zeitverbrechen, unser Magazin zum Podcast, aber mit anderen Fällen als im Podcast, bespricht aktuelle und vergessene und ungeklärte Kriminalgeschichten. Das Magazin blickt wie auch der Podcast auf die Menschen und die Motive hinter ihren Taten. Eine Gratis-Probeausgabe zum Kennenlernen gibt es jetzt unter www.zeit.de slash verbrechen minus testen.
16:45
Und jetzt geht es weiter mit der heutigen Folge.
16:57
Rai sagt, das vernünftige, gebrauchsorientierte, umweltfreundliche und sparsame Möbel wird sich durchsetzen. Es soll allerdings ein unverwechselbares Original sein. Und darin sah er seinen Beitrag aus. Zum Möbel- und Designgeschichte.
17:14
Es ist, glaube ich, auch wahr, dass der einen hohen Wiedererkennungswert hat. Und ich habe sie auch gefragt, die Herstellerin, wie sie das denn findet, wenn jemand diese Stühle sich einfach mitnimmt. Ob sie das ärgert, wenn die dann irgendwie von dubiosen Händlern auf dem Markt wieder angeboten werden. Und da hat sie ein bisschen geschmunzelt und gesagt, am Ende möchte jeder einen Klassiker erschaffen. Und das scheint ja gelungen zu sein.
17:35
Ist es denn üblich, dass in der Universität gestohlen wird? Kommt das häufig vor?
17:41
Ich glaube, Möbel kommt nicht so häufig vor wie Geschirr und Besteck. Das kommt wirklich häufig vor. Ich habe da auch mal nachgefragt für Schleswig-Holstein. Diese Studierendenwerke sind eben so dezentral organisiert und insgesamt gibt es irgendwie 932 Cafeterien und Mensen. die in Deutschland von denen betrieben werden. Aber ich habe eben für Schleswig-Holstein nach Zahlen gefragt und da entsteht jedes Jahr ein Schaden von 10.000 Euro. Durch Klauer? Durch Klauer in Mensen und Cafeterien.
18:08
Insofern ist es eine kleine Geschichte über einen kleinen Stuhl und mit einer großen Moral. Denn es sind ja alles hier Leute, die wollen alle mal hier in diesem Land was zu sagen haben und rechnen sich innerlich zur Elite dieses Landes, wenn sie auf die Universität gehen und dann nehmen sie aber noch was mit.
18:25
Ja, und dazu ist es so, dass man in Deutschland eben auch kostenlos studieren kann. Also man zahlt ja keine Studiengebühren, sondern nur einen Semesterbeitrag.
18:32
Ja, und dann bereichert man sich noch mit irgendwelchen Diebstählen. Das finde ich schon das Allerletzte.
18:37
Vieles ist bestimmt auch ein Andenken an die schöne Zeit.
18:41
Was ist denn das Häufigste, was verschwindet? Ich nehme an Besteck, oder? So Messer, Gabel, Schere?
18:46
Also besonders beliebt wurde mir gesagt, sind vor allem die Cappuccino-Tassen. Und dann gibt es an der Uni in Lübeck so Weckgläser, in denen Couscous-Salat serviert wird, da dem sie jetzt schon zwei Euro fand, weil die nie zurückgebracht werden. Das ist ja irgendwie auch schön, zu Hause zu haben für Haferflocken oder was auch immer.
19:02
Und häufig verschwinden auch Gabeln und Löffel. Messer tatsächlich nicht so häufig, weil die sowieso meistens stumpf sind.
19:08
Ein bisschen stumpf. Gabeln sind auch oft stumpf. Da muss man schon ordentlich reinhacken, bis da was hängen bleibt.
19:15
Aber ehrlich gesagt ist mir das auch schon aus Versehen passiert. Wenn man sich selber was mitbringt in der Dose und dann mit seinen Freunden essen geht und sich eine Gabel da nimmt, dann nimmt man die irgendwie auch schnell mit seiner Dose wieder mit nach Hause.
19:25
Ja, das kann auch tatsächlich so ein versehentlicher Mitläufer mal sein. Wie kommt denn diese Gabel hier in unsere Sammlung?
19:32
Die sieht ganz anders aus.
19:33
Aber es gibt auch sehr gezielte Diebstähle natürlich an Hochschulen. Also 3D-Drucker, die verschwinden. Ich glaube, du hast so einen Fall rausgefunden.
19:39
Ja, ich habe mal ein bisschen ins Archiv geguckt. Das war in Merseburg tatsächlich. Wurde ein sehr teurer, nagelneuer 3D-Drucker geklaut.
19:48
Und dann im Internet angeboten. Und dann hat ein Professor unter falschem Namen diesen 3D-Drucker ersteigert und ist mit einem Polizisten in Zivil zur Übergabe gegangen, um sich den zurückzuholen. Ermittler an der Uni. Weißt du, wie es weitergeht? Ich weiß, dass ein Tatverdächtiger fliehen konnte. Einer konnte fliehen. Einer konnte fliehen und der andere, den haben sie aber wohl geschnappt. Dann haben sie den Flüchtigen auch bald. Das Richtige erinnert. Aber es gibt noch andere Beispiele. Also in Heidelberg wurde mal von der, da gibt es auf der Bibliothek einen Turm, der eine Spitze hat aus Kupfer, die mal abgeschraubt wurde.
20:20
Ich glaube, das war im Jahr 2022.
20:22
Turmspitze mit Kupfer. Kupfer wird ja gerne geklaut. Kupfer wird gerade überall gestrungen.
20:28
Oder an der HafenCity-Universität in Hamburg. Da wurde jetzt ein, das ist auch schon eine Weile her, ein Finderlohn ausgeschrieben, mal über 10.000 Euro, weil Laborinstrumente geklaut wurden. Das waren irgendwelche Laserscanner.
20:41
Und es ist nicht durch Leute, die nachts einbrechen. In der Zeit ist das ja manchmal so. Wenn wir vergessen, ein Fenster zuzumachen oder so, dann kann man über so Nebengebäude einsteigen. Und deswegen haben wir ja auch einen Wachdienst. Keine Tipps. Nee, nee, die werden jetzt alle zugemacht, die Fenster. Keine Bange. Aber wir hatten dieses Problem. Wir haben ja auch einen Wachdienst, der nachts rumgeht und in jedes Zimmer reinguckt, ob es da mit rechten Dingen zugeht. Und da kamen aber die Täter von außen. Das waren jetzt keine Angehörigen der Redaktion.
21:12
Und deswegen kann ich mir vorstellen, dass da nicht die Studenten die Turmspitze abschrauben, sondern irgendwelche Übeltäter, die da mit Leitern ankommen. Mhm.
21:20
Unsere Kantine sucht regelmäßig nach Wasserkaraffen, die irgendwie in den Büros rumstehen, aber die finden sich im Haus wieder. Wie geht es denn jetzt mit den Stühlen weiter? Also haben die Lübecker angefangen zu fahnden?
21:30
Die haben gesucht, genau, und haben vor allem aber auch den Tipp bekommen aus Oldenburg, dass es sich um Designerstühle handelt, weil sie sind da ja erst gar nicht von alleine drauf gekommen. Warum Oldenburg? Und dann hat Oldenburg sich wohl gemeldet und gesagt, bei uns sind diese Stühle auch weggekommen.
21:47
Und ich habe dann gesehen, dass im April eine Pressemitteilung herausgegeben wurde von der Universität Braunschweig, wo diese Stühle auch weggekommen sind.
21:55
Es scheint eine groß angelegte Ray-Fangemeinde zu sein.
22:00
Es wurde also zur Serie sozusagen. Erst wurde der Holzstuhl zum Designerobjekt und dann wurde dieser Einzelfall zur Serie.
22:06
Also planmäßiger Diebstahl, so sieht das aus. Ja, im großen Stil.
22:10
Also die Polizeidienststellen sind alle miteinander in Kontakt gewesen und haben überlegt, ob es immer die gleichen Täter sind oder ob es mehrfach Leute sind, die diesen Stuhl erkannt haben. Aber es ist nicht aufgeklärt worden, bis heute nicht. Ich habe extra nochmal nachgefragt letzte Woche, vergangene Woche.
22:27
Du hast ja in deinem Text auch die Vermutung geäußert oder die Vermutung transportiert, die andere hatten, dass es vielleicht gar kein Diebstahl ist, sondern wir sind ja im studentischen Milieu, da wird ja gerne mal kritisch irgendwo hingesehen, dass es eine Protestaktion gewesen sein soll um der Universität, mit der eigentlich in Lübeck die meisten Studenten sehr zufrieden sind.
22:50
mal was zu zeigen. Und warum sollte das eine Protestaktion gewesen sein?
22:54
Genau, weil die Studierendengebühr erhoben wurde, tatsächlich um 60 Euro zum Wintersemester 25, 26.
23:02
Symbolisch, symbolisch, 60 Euro.
23:05
60 Euro, 60 Stühle, wie hölzerne Geiseln, war eine der Theorien. Ich habe nämlich ein bisschen rumgefragt auf dem Campus und tatsächlich hatte sich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht rumgesprochen, dass das Designerstühle waren.
23:16
Mhm.
23:17
Es gab Leute, die dachten, das ist doch eine Art Abistreich. Die haben da irgendwie auf WhatsApp in ihren Gruppen drüber geschrieben, in ihren Semestergruppen. Es gab Leute, die auch meinten, wer begeht denn eine Straftat für so olle Stühle? Was für ein Quatsch, wer will die zu Hause haben? Oder eine Person meinte, vielleicht war es ein Appell, dass die Universität moderner werden soll, weil sie da schon so lange gestanden hatten. Aber genau, das war eine Theorie, weil eben die Verwaltungsgebühr erhoben werden sollte für die Anmeldung von Prüfungen und die Durchführung.
23:45
Aber als es dann erkannt wurde, dass es im großen Stil hier der Klau umgeht, hat sich dann diese Theorie zerschlagen.
23:52
Ich halte es für nicht so plausibel. Sie sind eben auch nie wieder aufgetaucht. Normalerweise, wenn man eine Geisel nimmt, sagt man ja nochmal Bescheid. Was man denn eigentlich damit wecken möchte.
24:00
Es fehlt, dass der Kenner schreiben und der Erpresserbrief. Weg mit den Verwaltungsgebühren, sonst kommen die Schüler nicht zurück.
24:06
Ja, aber eigentlich ist Lübeck wohl ein schöner Studienstandort, habe ich mir auch sagen lassen. Die haben beschrieben ihre Fahrten ans Meer an den Tagen im Sommer und haben ein Studierenden-Festival, das sie jedes Jahr veranstalten.
24:17
Das ist ja auch eine süße Stadt, Lübeck.
24:18
Genau, und Studierende können umsonst ins Theater und ins Museum gehen.
24:23
Schön.
24:23
Mir wurde gesagt, der Wohnungsmarkt ist angespannt, aber es ist jetzt nicht so, dass die Studierenden die Mensa ausräumen müssten, wenn sie an billige Möbel kommen möchten.
24:30
Man hätte glatt wieder Lust anzufangen zu studieren. Ja.
24:33
Kannst du ja dann im Alter, im Altersschutz, spätberufender Philosoph oder sowas. Als Seniorenstudent in der ersten Reihe den jungen Leuten die Plätze wegnehmen, das ist mein Lebenstraum. Und welches Fach? Üblicherweise ist Kunstgeschichte oder Philosophie, das sind so die typischen.
24:48
In Vorlesungen kannst du doch gehen, du nimmst ihnen doch nur in Seminarräumen die Plätze.
24:52
Ja, das kann ich natürlich tun.
24:53
Aber in Vorlesungen?
24:54
Das kann ich natürlich tun. Bis dahin lerne ich von dir.
24:56
Ja, da hast du noch allerhand zu tun.
25:01
So, wir haben Diebstähle in Lübeck, in Braunschweig, in Oldenburg und wir haben aber eine ganz besondere Situation in Oldenburg, nämlich wir haben einen Zeugen und zwar einen ganz besonderen Zeugen, nämlich einen schwimmenden Zeugen.
25:15
Genau, Ingo Schwettmann, seit 86 Semestern an der Universität am Haarentor Campus in Oldenburg. Den habe ich aufgetrieben, das ist der einzige Mensch, der diese mutmaßlichen Täter in Aktion gesehen hat und tatsächlich Schlimmeres verhindert hat. Der ist nämlich nach seinem Feierabend, das war im Juni 2024,
25:36
Also vor dem Lübecker, vor der Lübecker Tat.
25:41
Ja, ist er nach seinem Feierabend gegen 22 Uhr nach seiner eigenen Bahn geschwommen.
25:46
Es gibt eine Uni-Schwimmhalle.
25:48
Genau, es gibt da auf dem Campus eine Schwimmhalle.
25:50
Ja, Wahnsinn.
25:50
Und für die ist er eben zuständig. Und das ist auch der Unterschied, weil er sich nämlich anders als die Studierenden, die da kommen und gehen und einen Kapitel ihres Lebens verbringen, ist Ingo Schwettmann eben wirklich seit vielen Jahrzehnten an dieser Uni beschäftigt und fühlt sich zuständig für dieses Gebäude, fühlt sich verantwortlich. Und er ist da eben nach Feierabend seine Bahn geschwommen, Rücken mit Flosse. Und dadurch konnte er gut aus dem Becken rausgucken und es hat eine Glasfront zum Treppenhaus, dieses Schwimmbad. Und da hat er gesehen, wie zwei junge Männer immer wieder im Treppenhaus eben Stühle aus der Mensa ins Freie getragen haben, ein Stapeln.
26:25
Und hat sich gedacht, das kommt ihm irgendwie komisch vor.
26:28
22 Uhr. 22 Uhr. Ist aus dem Schwimmbecken raus, aus seinen Flossen raus, in seine Birkenstocks. Und hat die Pitschnass mal aufgehalten und gefragt, was machen sie denn hier eigentlich in Badehose? Voller Einsatz. Sie haben dann irgendwie so ein bisschen rumgedruckst. Der kleinere von beiden hat wohl so zu Boden geschaut, ein bisschen beschämt. Und der größere meinte, sie seien Alumni der Universität und würden jetzt ein Gruppenfoto draußen machen wollen. Deswegen brauchen sie diese Stühle.
26:53
Und da hat Ingo Schwettmann gedacht, das kommt ihm irgendwie alles komisch vor um 22 Uhr im Dunkeln und meinte, nee, hier passiert jetzt erstmal gar nichts mehr, die Stühle bleiben jetzt hier erstmal stehen und ist dann zum Sicherheitsdienst gegangen am Empfang und hat da gefragt.
27:06
Warum hat er da nicht angerufen? Warum ist er da hingegangen?
27:09
Da hat er ja wertvolle Zeit. Ja, das stimmt. Ich glaube, das war ihm noch nicht bewusst. Und hat da eben gefragt. Der Sicherheitszieher wusste auch nichts von der Alumni-Veranstaltung. Und ist dann mit ihm mit. Und sie sind dann zurück und wollten dann nochmal nachfragen, ob das irgendwie mit dem Studierendenwerk abgesprochen ist. Und da war der Kleinere schon verschwunden. Und der Größere, als er sie hat kommen sehen, hat die Beine in die Hand genommen. Hat Reißaus. Hat Reißaus genommen, ja. Und ist die Treppe runter, mehrere Stufen. Auf einmal Ingo Schwettmann hinterher in seinen Birkenstocks. Und sie sind aus dem Gebäude über den Hof und dann ist dieser Mann verschwunden im angrenzenden Naturschutzgebiet.
27:42
Hat er denn erzählt, wie der aussah?
27:43
Hat er eine Personenbeschreibung abgeben können?
27:45
Nicht so richtig. Er hat gesagt, er sah viel zu alt aus, um da aktuell zu studieren sozusagen. Und es kam ihm schon alles ein bisschen komisch vor. Aber ansonsten ein Mann, ja, mittleren Alter.
27:56
Wie du und ich.
27:57
Okay.
27:58
Wie Andreas.
27:59
Ingo Schwettmann ist hinterher. Er ist hinterher. Und in diesem Zusammenhang fällt einer der schönsten Sätze, die ich je im Text habe zitiert, gelesen. Willst du ihn?
28:10
Ich kann ihn gerne sagen. Ingo Schwettmann hat mir gesagt, meine Birkenstocks haben guten Grip auf nasser Fliese, aber mit seinen Tonschuhen lag der Typ deutlich besser in der Kurve.
28:20
Der lag besser in der Kurve. Und das mit den Birkenstocks, das hat Schwettmann dir sogar bewiesen, oder?
28:26
Ja, er hat mir Fotos geschickt, weil er hat tatsächlich besondere Birkenstocks als Bademeister, die eben auf nassen Untergründen besonders gut haften. Die haben so eine rote Linie auf der Sohle. Er hat dir ein Foto der Sohle geschickt? Er hat mir ein Foto der Sohle im Vergleich zu einer herkömmlichen Birkenstocksohle geschickt.
28:41
Dieses Bild wird mir nicht mehr aus dem Gehirn gehen sozusagen. Die Birkenstocks verfolgen die Turnschuhe.
28:47
Ja, es war aber leider so, dass eben 60 Stühle zu dem Zeitpunkt schon abtransportiert waren. Vermutlich auch mit einem Transportner, so wie in Lübeck von den Jüngeren der beiden. Und die sind verschwunden.
28:57
Gab es eine konzertierte Fahndung? Haben sich die Polizeidienststellen zusammengeschlossen? Hat man angefangen, bei Kleineinzeigen zu suchen? Oder was passierte da jetzt?
29:05
Haben sie tatsächlich. Sie haben sich erstens ausgetauscht und zweitens auch im Internet ein bisschen geguckt. Ich habe das selber auch gemacht. Ich habe mir einen Alarm eingerichtet auf Kleineinzeigen. Also jedes Mal, wenn jemand Raystühle anbietet im Internet, bekomme ich eine kleine Benachrichtigung auf mein Handy. Und? Ja, schwierig.
29:22
Muss man sagen. Ich habe jetzt auch ein bisschen rumtelefoniert bei Leuten, die die kaufen wollen. Hast du denn eine Meldung bekommen? Ja, ja, ständig. Also die werden wirklich viel gehandelt.
29:29
Achso, und es kann sein, dass da jetzt die Verbrecher da drunter sind.
29:34
Man kann ja alle Stühle ausschließen, die eine andere Farbe haben und Gebrauchsspuren, also nicht neu lackiert sind. Und es ist wohl so, ich habe dann eben angerufen bei Leuten, die damit richtig handeln und die auch ankaufen, ob sie Angebote bekommen haben, die auf die verschwundenen Stühle passen. Das sind eben einmal 60 Stühle in Holzoptik, einmal 80 Stühle in grellgelb und einmal 60 Stühle, die haben so einen weißen Sitz und eine grüne Lehne hinten.
30:01
Und mir wurde gesagt, dass sie bisher nicht aufgetaucht sind. Und dass eben sobald was neu lackiert ist und einmal abgeschliffen wurde, man das in Deutschland auch nicht mehr verkauft bekommt. Weil das eben total unseriös wirkt. Und die Leute, mit denen ich gesprochen habe, waren alle ganz genervt eigentlich. Weil es gab eine Person, die hatte ursprünglich 120 von diesen grellgelben Stühlen. Und hatte dann eben schon 40 verkauft und hatte noch 80 inseriert und hat lauter Nachrichten bekommen. Das sind doch die 80 Stühle aus der Unimensa.
30:29
Und war völlig genervt. Nein, stimmt das ja auch. Ich habe mir von dem Verkäufer den Ausweis kopiert und für die Steuer, die müssen das ja alles genau dokumentieren. Niemand von denen möchte Healerware verkaufen. Aber mir wurde auch mehrfach gesagt, dass wohl in den Niederlanden der Markt ein bisschen anders ist. Und dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die Stühle mittlerweile da im Umlauf sind. Da gibt es nämlich auch Anbieter, die selber die Stühle abschleifen und neu lackieren in Wunschfarben und so und dann hat man eigentlich keine Chance mehr. Die haben keine Seriennummern, die haben keine Kennzeichnung.
30:59
Die gehen dann total unter in der Masse.
31:01
Und es gab sie schon immer in wahnsinnig verschiedenen Farben, weil Objektmöbel, das heißt Architekten, haben irgendeine Cafeteria ausgestattet und haben gesagt, okay, den Stuhl bitte aber in dieser Ralfarbe Lackieren. Von daher gibt es wahnsinnig viele Varianten.
31:18
Es gibt auch nochmal neue, weil nämlich, also das war immer ein Projektstuhl sozusagen, aber hat dann 2022 auch mehr den Einzug in so private Haushalte gefunden, weil es eine Kooperation gab mit der Marke Hey. Weil nämlich Rolf Hey hat angerufen bei Ditekka, seine Frau hatte den Stuhl in den USA gesehen, in einem Restaurant und hat da angerufen und gemeint, meine Frau liebt euren Stuhl, können wir den für euch vertreiben.
31:41
Und da haben sie nochmal neue Farben auch eingeführt in dieser Kooperation sozusagen. Die Ticke hat den Stuhl dann distribuiert.
31:46
Also ich werde in Zukunft darauf achten, was das für ein Stuhl ist und da werde ich mich mal draufsetzen. Vielleicht habe ich ihm ja auch Unrecht getan. Er sieht unbequem aus, aber ich kann mich jetzt nicht entsinnen, dass ich schon mal drauf saß.
31:57
Ich muss noch einmal zurück zu deinem Ursprungsartikel, der ist nämlich online veröffentlicht worden und es lohnt sich in die Kommentare zu tun. Es ist sehr, sehr lustig. Von den Lübecker Studenten kommen dann Vorschläge wie man müsste diesen Fall als Tatort verfilmen. Titel Stuhlprobe. Es gibt aber auch Einblicke, dass diese leise Designignoranz auch anderswo vorherrscht.
32:23
Eine Nutzerin namens Lady Kroom weist darauf hin, unsere Uni hat gerade 100 von diesen Stühlen einfach entsorgt.
32:30
Oh Gott.
32:30
Das kommt auch vor. Es gibt einen Nutzer, der schreibt folgendes, ich stelle mir gerade eine Folge Bares für Rares vor und Horst Richter fragt, so Jungs, jetzt erzählt ihr mal, wo habt ihr denn Stühle?
32:43
Sehr schön finde ich die Bemerkung von Sankt Angelika, so nennt sich die Nutzerin. Tolle Lektüre, ob der Fall nicht mal bei Zeitverbrechen verhandelt wird. Liebe Sankt Angelika, genau so ist es.
32:57
So ist es geschehen.
32:59
Ich habe noch eine letzte Frage.
33:02
Ingo Schwettmann ist in Ruhestand.
33:04
Genau.
33:04
Und es gab ein besonderes Abschiedsgeschenk.
33:06
Ja, er hat einen der Stühle geschenkt bekommen, die er gerettet hat zum Abschied. Ein Bruno-Rei-Stuhl in Holzoptik.
33:13
Da kann er sich jetzt draufsetzen. Das ist dann sein Ruhestuhl.
33:18
Er kriegt jetzt keinen Lehnstuhl mit Ohrenbacken, kein Ohrensessel, sondern einen Stuhl, der ihn aufrecht hält.
33:26
Ein Hocker mit Gatter.
33:28
Ja, wie für Kinder.
33:29
Kann das Sitzen neu erfinden im Ruhestand.
33:31
Liebe Pia, ganz herzlichen Dank, dass du uns mitgenommen hast nach Lübeck, Braunschweig und Oldenburg.
33:38
Danke. Tschüss. Vielen Dank für die Einladung.